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Vortrag Prößler 2017

Vereinschronik > 2011- > 2017

Freitag, 21. April 2017, 19.00 Uhr

Hotel-Restaurant Koppelstein

„Die ‚Mayener Duutschläjer‘ und die sozialen Probleme beim Gesteinsabbau im Mayen um 1900"


Referent:
Dr. Berthold Prößler, Koblenz, Mitglied des Vorstands des Lahnsteiner Altertumsvereins

Was Lahnstein mit Mayen zu tun hat, verdeutlichte Vorsitzender Hans G. Kuhn eingangs mit einigen Bildern von alten Lahnsteiner Gebäuden: dunkelgraue, fast schwarze Steine bilden oft die Fundamente sowie Tür- und Fenstereinfassungen. Diese Formsteine sind aus Basaltlava, die vor rund 120 Jahren im Raum Mayen aus dem Boden gebrochen worden waren.

Altes Rathaus Oberlahnstein

Neues Rathaus Oberlahnstein

Stein'scher Hof
(heute Teil der
Berufs.Bild.Sch.)

Salhof

Frh.-v.-Stein-Schule
(ehem. Gymnasium)

Alter Marktbrunnen

Hospitalkapelle

Standort des Brennerhofs

Straßenpflaster

Straßenpflaster

Über die Arbeit der Mayener und die dabei entstandenen gesellschaftlichen Probleme hat Vorstandsmitglied Dr. Berthold Prößler seine Doktorarbeit verfasst. Er schilderte nach der Einführung zuerst einmal die Entstehung des vulkanischen Gesteins, die geologischen Gegebenheiten im Raum Mayen und die Geschichte des Abbaus schon vor der Römerzeit. Vor allem der geringe Abrieb machte die Basaltlava hervorragend geeignet für Mahl- und Mühlstein. Schon während der La-Tène-Zeit (5.−1. Jh. v. Chr.) wurden in Mitteleuropa – wegen ihrer Form ‚Napoleonshüte‘ genannte – Mahlsteine aus Eifeler Basaltlava hergestellt.  
Erst im 19. Jahrhundert entdeckte man die Eignung als Baumaterial, sowohl als Pflasterstein als auch als Formstein. Zuerst aber galt es, das Gestein in der Tiefe zu brechen und dann ans Tageslicht zu holen. Die Arbeit untertage war schwer und gefährlich. Da noch keinerlei Sicherheitsvorschriften bestanden, konnte jeder auf seinem Stück Land eine Grube anlegen und sich ‚Grubenbesitzer‘ nennen. Auch eine Ausbildung war nicht geregelt: Nach drei Jahren konnte sich jeder ‚Geselle‘ nennen, und der Grubenbesitzer war der ‚Meister‘.

Da vor allem die Formsteine (Fenster- und Türengewände, Bordsteine pp.) und Pflastersteine immer stärker nachgefragt wurden, verdienten die Arbeiter recht gut. Das führte auch dazu, dass sie sich nach Auszahlung des Wochenlohnes oftmals zu Saufgelagen zusammenfanden, in deren Verlauf es sicherlich auch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kam, die den Mayenern ihren böswilligen Übernamen „Duutschläjer" (Totschläger) einbrachte.

Mit Einsetzen der industriellen Revolution und dem sich entwickelnden Straßen- und Eisenbahnbau gewann auch der bisher als wertlos betrachtete Abfall an Bedeutung als Unterbau für die Verkehrswege. Die rasante Entwicklung führte dazu, dass der Abbau regelrecht explodierte. Als die bis dahin übliche gefährliche Förderung der untertägig gebrochenen Steine durch Göpelwerke, die von Menschen und Pferden betrieben wurden, durch Elektromotoren erleichtert wurde, entwickelte sich der industrielle Abbau, mit dem viele kleine Gruben nicht mithalten konnten. Das Ergebnis war ein ruinöser Wettbewerb, der sich auf die stark angewachsene Bevölkerung sehr negativ auswirkte und zur Verarmung führte. Hierunter mussten vor allem die Kinder leiden, die sommers wie winters als ‚Soppeträjer‘ (Suppenträger) für ihre Väter fungieren mussten, dabei oft erkrankten und zudem kaum Zeit für den Schulbesuch hatten. Hieran konnten auch weitsichtige Bürgermeister wie Rudolf Grennebach (amtierte 1876-1907) und Dr. Carl Pohl (amtierte 1907-1920) nur wenig ändern.
Die stark angewachsene Bevölkerung ließ die Kirche zu klein werden und machte eine Stadtentwicklung erforderlich. Wie noch heute üblich, dauerte es lange bis sich die Lokalpolitiker auf Kompromisse einigen konnten, da jedes der vier mittelalterlichen Stadtviertel die neue Kirche pp. haben wollte.
Nach einem kurzen Aufschwung jeweils nach den Weltkriegen kam der Gesteinsabbau in Mayen völlig zum Erliegen. Die ehemaligen untertägigen Abbauorte wurden als Mülldeponien genutzt. Erst im späten 20. Jahrhundert erkannte man die Bedeutung der Stollen und Höhlen: Aus ganz Europa kommen jeden Herbst Tausende Fledermäuse zum Überwintern hierher. Und auch die museale und touristische Vermarktung hat dafür gesorgt, dass ein so wesentlicher Teil der Regionalgeschichte nicht in Vergessenheit gerät. Anhaltender Applaus und ein Weinpräsent waren der Lohn für Dr. Prößler, der noch etliche Nachfragen beantworten musste.

Zum Abschluss lud Vorsitzender Hans G. Kuhn zur Exkursionen nach Mayen am 20. Mai ein: Führung durch das ‚Mayener Grubenfeld‘, die Ausstellung ‚SteinWelten‘ im ‚Terra Vulcania‘ und nachmittags das ‚Deutsche Schieferbergwerk‘ unten im Berg unter der Genoveva-Burg. Anmeldung beim Vorsitzenden unter 02621-3624.

 
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