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Saargau 2014

Vereinschronik > Reiseberichte

9. - 11. September 2014

Dreitagesfahrt in den Saargau:

Trier, Konz, Tawern, Kastel-Staadt, Saarburg, Villa Borg, Nennig

Innerhalb seines Jahresthemas „Limes - nicht nur bei uns" war der Lahnsteiner Altertumsverein mit einer Dreitagesfahrt auf den Spuren der Römer. Die 27 TeilnehmerInnen besuchten die römische Kaiser-Residenz Augusta Treverorum (Trier) und den Saargau, das Wochenend- und Urlaubsgebiet der reichen Römer, die in der Residenzstand Trier ansässig waren.


Landeskundlicher Reisebegleiter war der Geograph und Historiker Gottfried Pahl aus Dausenau.
Er hatte in Trier studiert, die Stadtführerausbildung absolviert, konnte die Geschichte der Stadt und ihrer Baudenkmäler also engagiert und anschaulich vermitteln und blieb keine Antwort auf Nachfragen schuldig.

In Trier, wo die Gruppe Standquartier hatte, führte Pahl die Reisegruppe durch den Palastgarten - nach einem Blick auf die Kaiserthermen - zur Basilika, die einst als Palast-Aula von Kaiser Konstantin erbaut worden war. In den Kriegen stark beschädigt wurde sie von den Preußen wieder aufgebaut und dient seitdem als evangelische Kirche.

lm Anschluss erkundete die Gruppe das Amphitheater am Fuße des Petrisberges.

Den Abschluss des ersten Tages bildete ein Besuch der erst 1987 wiederentdeckten römischen Badeanlage am Viehmarkt. Hier machte Pahl vor allem deutlich, dass die Römer doch hochentwickelte Vorstellungen von körperlicher Reinlichkeit und Hygiene hatten, was in nachrömischer Zeit völlig verloren ging. Gleiches gilt auch für die ausgeklügelten Hypokausten, die Fußbodenheizung, die in den Viehmarktthermen an einer Stelle modellhaft rekonstruiert ist.

Am zweiten Tag ging moselaufwärts in südwestliche Richtung nach Konz. Von dem spätrömischen Kaiserpalast aus dem 4. Jh. n. Chr., den schon 371 n. Chr. der römische Dichter Ausonius in seinem epischen Gedicht „Mosella" erwähnte, sind leider nur wenige Überreste, und diese lediglich durch Teilrekonstruktionen erlebbar geblieben. Der größte Teil des Palastes ist unverständlicherweise 1961 durch den Neubau der Kirche St. Nikolaus zerstört bzw. überbaut worden.

Ab Konz führt die Reiseroute nach Süden ins Tal der Saar und nach wenigen Kilometern westlich der Saar auf den Metzenberg bei Tawern. Hier waren 1965 bei Waldarbeiten durch einen Zufall die Fundamente römischer Mauern entdeckt worden. Archäologen des Rheinischen Landesmuseums Trier gruben 1986/87 einen Tempelbezirk aus dem 1. nachchristlichen Jahrhundert und ein größeres Profangebäude aus und rekonstruierten die Anlage teilweise.

Manfred Schwab, der Vorsitzende des Vereins Römisches Tawern e.V., erläuterte den Gästen aus Lahnstein die Bedeutung dieser Anlage. Hier, an der Straße von Köln über Trier nach Süden ins Zentrum des römischen Reiches, beteten die Händler für eine gute Reise oder brachten ihrem Schutzpatron, dem römischen Gott Merkur, ihr Dankesopfer für glücklich zurückgelegte Reise. Fundstücke aus dem Mittelmeerraum belegen die weitreichenden Handelsbeziehungen. Auch heute wird hier um Glück gebeten, wenn z.B. im Merkurtempel Trauungen vollzogen werden!

Nach einem Mittagsimbiss in dieser eindrucksvollen Anlage führte die Reise weiter nach Süden über Saarburg nach den hoch über der Saar gelegenen Kastel-Staadt. Gottfried Pahl erläuterte die Geschichte: Auf dem nach drei Seiten steil abfallenden Plateau hatten schön die keltischen Treverer eine städtische Siedlung, ein Oppidum, angelegt, die auch zu Römerzeiten weiterbestand. Übrig geblieben sind davon nur Reste von Wall und Graben. Auf der zur Saar hin gelegenen Spitze hingegen besuchten die Lahnsteiner Geschichtsfreunde eine Touristenattraktion: eine Klause aus dem 13. Jh., deren heute noch zugänglichen Räume die Mönche einst in die steilen Wände des anstehenden Sandsteins gegraben hatten. Von der Aura dieser Stätte begeistert hatte der romantische Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) - der auch Schloss Stolzenfels wieder aufbauen ließ - von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) eine Grabkapelle im nahezu mediterranen Stil für den böhmischen König Johann von Luxemburg (1296-1346) erbauen lassen. (Die sterblichen Überreste von Johann dem Blinden waren aus dem luxemburgischen Kloster Neumünster vor den Wirren der französischen Revolution gerettet worden und von der Familie Boch, Teilhaber der späteren Firma Villeroy & Boch aufbewahrt und dem Preußenkönig geschenkt worden.) Nach 107 Jahren wurden die Gebeine von Johann dem Blinden 1945 bei Nacht und Nebel aus dem schwarzen Marmorsarkophag entwendet und ruhen heute in der Krypta der Kathedrale von Luxemburg.

Im Anschluss besuchte die Gruppe noch die nahe dabei liegende Friedhofskirche St. Johannes der Täufer aus dem 12. Jahrhundert, die wahrscheinlich auf römischen Fundamenten steht und mit ihrer Zweischiffigkeit eine Rarität darstellt. Bei Erdarbeiten in der Nähe der Kirche fanden Archäologen auch die Überreste eines römischen Theaters mit über 3000 Sitzplätzen, ferner Reste eines Kultgebäudes und eines Palastes sowie fränkische Gräber aus dem 7. Jahrhundert. An den Gemeindefriedhof grenzt ein Ehrenfriedhof, auf dem last 1.400 im Saargau Gefallene des 2. Weltkrieges ruhen. Mit einem kleinen Stadtrundgang durch die Altstadt von Saarburg ging der zweite Tag der Reise zu Ende.

Am dritten und letzten Reisetag besuchte die Lahnsteiner Reisegruppe die Römische Villa Borg im Gemeindebezirk Perl im Saarland. Hier wurde eine der größten römischen Villenanlagen im Saargau ausgegraben. Nach einem Einführungsfilm erfolgte eine Führung durch die villa rustica dieser über 7.5 ha großen Anlage. Zum krönenden Abschluss gab es in der Taberna ein Mittagessen mit original römischen Gerichten.

Zum Abschluss der Reise ging es einige Kilometer nach Westen an die Mosel in das Dörfchen Nennig. Hier hatte 1852 ein Landwirt beim Ausheben einer Grube für seine Rübenernte Mosaiksteinchen im Boden entdeckt. Dr. Franz-Josef Schumacher vom Museum für Vor- und Frühgeschichte Saarbrücken erläuterte der Lahnsteiner Reisegruppe die Fundgeschichte und die kunstgeschichtliche Bedeutung des Fußbodens einer römischen Villa, der das größte römische Fußbodenmosaik nördlich der Alpen darstellt. Auf dem über 160 m 2 großen Kleinod sind Szenen aus dem römischen Amphitheater (Tierhatz und Gladiatorenkämpfe) dargestellt.

Mit seinem Dank an Gottfried Pahl für seine sehr qualifizierte Reisebegleitung verabschiedete Vorsitzender Hans G. Kuhn die Reisegruppe, nicht ohne auf die nächsten Veranstaltungen hinzuweisen: Vortrag über den Niedergermanischen Limes am 1. Oktober und die Exkursion zur Kaiserpfalz in Ingelheim am 21. Oktober. Auch Nichtmitglieder sind herzlich hierzu eingeladen; Interessenten melden sich beim Vorsitzenden unter 0262113624 oder info@lahnsteiner-altertumsverein.de.

 
 
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